Bildquelle: toxic.fm
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Wie ein Sechser im Lotto 

Vor über vier Jahren hat sich Yannick als Stammzellenspender beim Schweizerischen Roten Kreuz angemeldet. Er hat nicht damit gerechnet, dass er als Spender ausgewählt wird. Jetzt hat er den Jackpot geknackt und einer leukämiekranken Person seine Stammzellen weitergegeben. Trotz Angst vor Nadeln und Spritzen.

Vergangenen Herbst klingelt Yannicks Handy. Am anderen Ende ist das Schweizerische Rote Kreuz. «Wo habe ich mich denn jetzt wieder angemeldet», dachte er sich erst. Dass er sich vor Jahren als Stammzellenspender registriert hat, hatte er nämlich bereits wieder vergessen. «Sie meinten, dass ich ein potenzieller Spender sein könnte, erklärten mir die nächsten Schritte und ich bekam eine Woche Bedenkzeit. Anfangs war ich ziemlich überrumpelt. Danach wurde mir aber relativ schnell klar, dass ich das Ganze durchziehen werde. Ich hätte aber auch jederzeit aussteigen können». Nach vielen Informationsgesprächen, gesundheitlichen Abklärungen im Spital und Tests, bei denen sein Blut bis aufs kleinste Detail untersucht wurde, wurde Yannick im Frühling als Spender zugelassen. Er durfte seine Stammzellen einer anonymen leukämieerkrankten Person spenden und rettet ihr so vielleicht sogar das Leben.

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Schwesterherz sei Dank

Angefangen hat alles vor circa vier Jahren dank seiner Schwester. «Ich habe eine extrem sozial engagierte Schwester», lacht er. «Sie hat mich zur Registrierung motiviert. Viele Gedanken dazu habe ich mir aber nicht gemacht», gibt Yannick zu. «Damals dachte ich, die Chance, dass es einen Match gibt, sei eh winzig. Aber sich registrieren kann ja nicht schaden». Doch nicht jeder, der sich in einer Stammzellspenderdatei registrieren lässt, wird auch tatsächlich zur Spende aufgefordert. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der folgenden zehn Jahre zum Stammzellspender zu werden, beträgt rund 1,5 Prozent. Ausserdem sind nur 35% aller registrierten Stammzellenspender*innen männlich. Damit gehört Yannick als Stammzellenspender zur Minderheit. Der/die Empfänger*in der Spende kann sich auf der ganzen Welt aufhalten, überall wo das SRK tätig ist.

Angst vor Spritzen überwunden

So einfach wie die Spenden-Registrierung ging es für Yannick aber nicht weiter: «Spritzen sind nicht so mein Ding. Vier Tage vor dem Spendetermin musste ich mir selber Spritzen setzen, um meinen Körper vorzubereiten. Das war eher weniger geil. Beim tatsächlichen Spendetermin wurden dann an beiden Armen Zugänge gelegt.» Durch die periphäre Entnahme wird das Blut am einen Arm abgenommen. Dies fliesst dann durch einen sogenannten Zellseparator und über den anderen Arm zurück in den Körper. «Ich wusste nicht mehr wohin schauen. Fünf Stunden lag ich da». Trotz der Angst vor Spritzen hat sich Yannick aber während des ganzen Prozesses wohl gefühlt. «Ich habe mich durch das SRK extrem gut aufgehoben und begleitet gefühlt. Sie haben mir alle Unsicherheiten und Ängste genommen.»

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Kein Superheld

«Mir ist wichtig, dass mehr junge Menschen auf die Stammzellenspende aufmerksam gemacht werden», will Yannick festhalten. Der Zeitaufwand für den ganzen Prozess beträgt um die 3-4 Arbeitstage und für den Körper sei das Ganze auch nicht ohne. Die Spritzen bei der Vorbereitung lösten bei ihm ein komisches Zwicken im Becken aus: «Ich lief herum wie ein alter Mann, dafür bin ich nicht mal dreissig», lacht Yannick. Auch nach dem Spendetermin war Yannick noch ein wenig angeschlagen und müde. «Das sind aber nur Unannehmlichkeiten. Um einem Menschen helfen zu können, lohnt es sich definitiv.» Das SRK kommt für jegliche Kosten rund um die Spende auf, inklusive Fehlzeit beim Arbeitgeber.

«Ich würde es wieder tun»

Ob die Behandlung mit Yannicks Stammzellen schlussendlich auch anschlägt, wird er wahrscheinlich nie erfahren: «Vielleicht erhalte ich in ein paar Jahren einen Brief und erfahre, wie die Spende gelaufen ist. Es kann aber gut sein, dass ich nie erfahren werde, wie es der Person ergangen ist.» Yannick hofft, dass alles klappt und er helfen konnte: «Falls ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder für eine Spende aufgeboten werde, würde ich es wieder tun.» Den Jackpot hat Yannick definitiv geknackt. Er gehört nämlich zu rund 60 Schweizer*innen pro Jahr, die ihre Blutstammzellen an erkrankte Menschen, mit denen sie nicht verwandt sind, spenden.

Armena Küchler, 30. April 2021