Bildquelle: Tagblatt Das Kaffeehaus an der Linsebühlstrasse in St. Gallen.

Mit einem Trick trotzdem zur Musik

Im Kaffeehaus von Gallus Hufenus gibt es nun doch Musik. Durch eine Sonderbewilligung kann man im Kaffeehaus den feinen Tönen des Hauspianisten Geri Pekarek wieder zuhören.

Sich mit einem Freund oder einer Freundin zu einem Kaffee treffen, dazu ein bisschen Musik im Hintergrund, gespielt auf einem Piano. Wer ins Kaffeehaus von Gallus Hufenus geht, der erwartet dieses Ambiente. Seit der Wiedereröffnung des Cafés sieht man den Pianisten Geri Pekarek allerdings nicht mehr, sondern man hört ihn nur. Der Grund sind die neuen Regeln des Bundesamt für Gesundheit (BAG) für die Gastronomiebetriebe.

Absurdität an Regeln

Da nicht offensichtlich ist, ob der Kaffeehaus-Pianist wirklich nur Hintergrundmusik spielt oder es sich dabei um ein Konzert handelt, verbietet die COVID-19 Verordnung alle Unterhaltungsfaktoren in Gastronomien. Es könnte ja sein, dass die Gäste die Abstandsregeln vergessen und anfangen zu tanzen. So wird auch eine urtypische Eigenheit eines Kaffeehauses verboten. «Für mich ist das ein Versagen der Gastrosuisse. Anstatt sich für eine spätere, dafür zwanglosere Öffnung einzusetzen, drängte man auf eine frühere Öffnung mit strengen, teils absurden Regeln», sagt Gallus Hufenus genervt. Es wirke so, als ob die Gäste einfach wieder schnell in den Lokalen konsumieren sollen, damit man keine Mietreduktion für die Gastronomen aussprechen muss.

Ein Schlupfloch gefunden

Anfangs spielte der Pianist noch im Kaffeehaus. Damit die Gäste dem Pianisten nicht zu Nahe kommen, hat man mit Klebeband den Abstand gekennzeichnet. Das wurde dann verboten. Gallus Hufenus hat aber ein Schlupfloch gefunden. Das wurde vom Vizepräsident des BAG Dr. Michael Beer genehmigt. So spielt der Pianist Geri Pekarek im Nebenraum. Wie immer mittwochs von 09:00Uhr bis 11:00 Uhr. Im Café selbst kann man ihm über einen Livestream beim Spielen zusehen. Ein Paar sitzt im Lokal und  hört genüsslich den sanften Klängen des Pianos zu. «Ich empfinde diese Regel als absurd. Diese Musik eignet sich sowieso nicht zum Tanzen», antwortet der Mann des Paares. Es sei entspannende Musik, die ein Gefühl von Zeitlosigkeit gibt. Sie freuen sich, dass man nun trotzdem eine Lösung gefunden hat. «Es ist schon nicht das Gleiche, wie wenn er hier spielt. Für das Ambiente ist es trotzdem toll», sagt die Frau des Paares.

Vorerst Letztes Konzert

Heute war es für eine Weile der letzte Auftritt, denn Geri Pekarek möchte vorerst nicht mehr spielen. Er habe es komisch gefunden und ihm fehle die Resonanz der Gäste. Denn Emotionen kann man nicht digitalisieren.  Für Gallus Hufenus hat sich die Aktion trotzdem gelohnt. Denn sie hat für viel Kopfschütteln gesorgt.

Jonas Mielsch, 20.05.2020