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Quelle: toxic.fm

Einkaufen als frisch gebackener Veganer

Ade, saftiges Steak, bis bald leckere Pilzrahmsauce und auf Wiedersehen Rührei zum Frühstück. Auf das alles verzichte ich bis Ostern, denn ich faste tierische Produkte. Richtig gehört, kein Fleisch, keine Milch, keine Eier, nichts was irgendwie in Kontakt mit einem Tier war. Damit ich mich nicht von Servietten ernähren muss, gehe ich im Einkaufsladen auf eine vegane Entdeckungsreise.

Normalerweise geh ich in den Einkaufsladen und muss nicht gross schauen, was ich denn genau einkaufe. Jetzt, da ich tierische Lebensmittel weglassen möchte, gestaltet sich das Einkaufserlebnis ziemlich anders. Eines vorab, wer keine Ahnung von der veganen Ernährung hat (so wie ich) und trotzdem in einen alltäglichen Supermarkt einkaufen gehen möchte, braucht vor allem eines, Zeit.

Sanfter Einstieg beim Gemüse

Ich betrete den Einkaufsladen und stehe als erstes in der Gemüseabteilung. Sozusagen das Schlaraffenland für den Veganer, denn man muss auf nichts schauen und kann einfach einpacken. Da ich nicht weiss, wieviel ich danach noch in den Einkaufswagen werfen kann, tobe ich mich hier ziemlich aus. Neben dem üblichen Zucchini- und Tomateneinkauf nehme ich auch Gemüse, bei dem ich ehrlicherweise noch nicht ganz sicher bin, was ich damit kochen kann, geschweige denn wie ich es zubereiten muss. Aber Google wird mir da schon ein Rezept ausspucken.

Lesen, lesen, lesen

Nach der gemütlichen Obst- und Gemüseabteilung ist es aber vorbei mit dem Spass, jetzt geht es ans Lesen. Ab hier muss ich jedes Produkt einmal umdrehen, um die Zutatenliste zu studieren. Ich merke nämlich, dass ich keinen blassen Schimmer davon habe, was alles vegan ist und was nicht. Bei der Brotabteilung habe ich ziemliches Glück. Ich wollte zuerst schnell vorbeigehen, da ich fälschlicherweise dachte im Brot befindet sich sicher Milch oder Ei. Nachdem ich aber jedes Brot einmal umdrehe, finde ich heraus, dass viele Brote vegan sind. Sogar das leckere Silserbrötli kann bei mir weiterhin auf den Teller kommen.

Bye-bye Butter, oder?

Die Milchabteilung ist ein schmerzender Anblick für einen neuen Veganer und früheren Joghurtliebhaber. Allerdings lohnt es sich, sie nicht komplett links liegen zu lassen. Bei den Joghurts gibt es bereits viele Alternativen mit Kokos- oder Sojamilch zu kaufen. Butter ist leider tabu, allerdings kann man auf Margarine umschwenken. Die meisten davon sind nämlich rein pflanzlich.

Ostersortiment macht es nicht einfach

Obwohl ich das Gefühl habe, es gehe noch ewig bis Ostern, sehen das die Einkaufsläden wohl anders. Sie haben nämlich bereits die komplette Osterhasenpalette im Angebot. Ich wühle mich durch die Schoggieier in der Hoffnung, doch noch etwas Veganes zu finden. Ein Leben ohne Schokolade? Kommt nicht in Frage. Schliesslich bin ich doch noch fündig geworden. Den normalen Milchschokohasen kann ich leider nicht kaufen, aber die Variante mit der dunklen Schokolade ist vegan. Als ich Kakaobutter lese, denke ich schon es ist vorbei. Nach einem kurzen Exkurs im  Internet finde ich aber heraus, dass Kakaobutter vegan ist und mir somit den Tag wortwörtlich versüsst.

Spaghettiplausch ist angesagt

Die Nudelabteilung ist sicher für jeden Veganer. Es gibt zwar Nudeln, die mit Eiern gemacht werden, allerdings sind die meisten ohne irgendwelche tierischen Produkte. Auch bei den Saucen muss man nicht gross verzichten. Herkömmliche Tomatensaucen sind meistens vegan. Wer es lieber mexikanisch anstatt italienisch möchte, die Tortillas habe ich auch gecheckt, sie enthalten keine tierischen Inhaltsstoffe. Einem mexikanischen Abend steht also nichts im Weg (auch Tequila ist vegan – ausser es ist der traditionelle Tequila mit echtem Wurm drin).

Fernsehabend mit Gurken und Karotten?

Wer jetzt denkt der Kinoabend mit Snacks und Bier sei passé, hat sich geirrt. Auch als Veganer kann man weiterhin Chips und Popcorn essen. Naschkatzen haben es allerdings schon schwieriger. Die meisten Gummibärchen sind mit tierischer Gelatine. Bei der Schokolade muss man auf dunkle Schokolade umsteigen, wenn man keine tierischen Zutaten essen möchte. Zu aller Überraschung sind aber bestimmte Schokokekse vegan. Der Fussballabend ist ebenfalls gerettet, denn das kühle Blonde ist weiterhin geniessbar. Dafür muss man vom Schweizer Getränk Rivella die Finger lassen, das wird nämlich mit Milchsäure hergestellt.

Fazit

Mein erster veganer Einkauf war ein sehr überraschendes Erlebnis. Teilweise, weil manche Sachen nicht vegan waren und andere schon. Es ist einerseits mühsam, weil man sich durch alle Zutatenlisten kämpfen muss und vielmehr am Lesen als am Einkaufen ist. Auf der anderen Seite war es auch interessant, sich mal damit zu beschäftigen, was denn überhaupt alles in unserem Essen ist. Zeitweise habe ich die Leute aber beneidet, welche einfach Produkte, ohne zu lesen, in den Einkaufswagen geschmissen haben. Trotzdem bin ich froh, dass ich mich mit all den Inhaltsstoffen befasst habe. Ich denke, mit jedem neuen Einkauf werde ich mehr lernen und weniger Zeit brauchen.

 Annabelle Wiebach, 19.2.2021