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Quelle: zvg

Einblick in den Corona-Container

Derzeit arbeiten medizinisches Personal und Labore auf Hochtouren. COVID-19-Abstriche en masse. Was für Patienten unangenehm ist, kann für das Pflegefachpersonal eine Herausforderung werden. Ein Portrait einer Heldin der Coronazeit.

Isabelle Mathier, 32, ist Pflegeexpertin in einer Hausarztpraxis in Winterthur. Ihren Alltag sieht sie zur Zeit durch eine Schutzbrille. Seit einigen Tagen macht die Walliserin nur noch Abstriche bei Corona-Verdachtspatienten. Der Spezialanzug und die Gesichtsmaske schützen sie an ihrem exponierten Arbeitsplatz. Nach jedem Abstrich lüftet sie ihr Behandlungszimmer, reinigt die Schutzbrille und desinfiziert alle Oberflächen. Sie ist die Einzige, die in der Praxis Tests durchführt. «Die Ärzte müssen auch andere Patienten behandeln oder sie sind bereits etwas älter und dadurch Risikopersonen.» Damit der Betrieb in der Hausarztpraxis normal weitergeführt werden kann, wird nun ein Container aufgestellt. So müssen andere Patienten keine Angst vor einer Ansteckung haben. Wegen des grossen Andrangs bekommt Isabelle nun Unterstützung von Pflegekolleginnen.


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Nasenbohren der anderen Art

Die meisten ihrer Klienten erwarten eine Blutentnahme, jedoch ist der Coronavirus-Test einiges unangenehmer als nur ein Piekser. Isabelle macht einen nasopharyngealen Abstrich. Dazu führt sie ein Stäbchen in die Nase und eines in den Rachen ein. Sie kitzelt damit nicht nur die Nasenflügel, sondern sagt dem Gaumenzäpfen hallo und weckt den Brechreiz. Viele Patienten bringt es vor allem zum Husten oder Niessen. In solchen Momenten ist sie dankbar für ihre Ganzkörper-Schutzmontur. Da sie nur Menschen mit Symptomen und hohem Risiko testet, sind viele Resultate positiv. «Momentan ist es eine rechte Herausforderung den Testergebnissen hinterherzurennen, weil es viel Zeit braucht, bis die Resultate da sind», meint die Isabelle.

Gleichgültigkeit

Bedenklich findet die Pflegeexpertin, wenn Risikopatienten immer noch unterwegs sind und keine Angst haben, das Virus zu bekommen. «Der Gedanke ist nicht fertig überlegt. Wenn es die chronisch Kranken und die Älteren dann doch erwischt und sie wegen Atemnot ins Spital müssen, stehen wir eines Tages vor einem Problem. Dann hat es zu wenig Betten für alle», erklärt Isabelle. Deshalb empfiehlt sie die Massnahmen vom Bund zu befolgen und zu Hause zu bleiben. Das sei das Einzige, aber auch das Wichtigste, was man zur Zeit beitragen könne.


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«Häbet enander sorg»

Kürzlich war Isabelle auf dem Heimweg, als plötzlich von allen Seiten Applaus ertönte. Mit dieser Aktion, die immer mehr zu hören ist, dankt die Bevölkerung dem Gesundheitspersonal. Sie findet es schön zu sehen, wie sich alle helfen und die Solidarität spürbar ist. Sie selbst ist enorm dankbar, dass sie in so einer Situation in einem Land wie die Schweiz leben darf, schätzt die Unterstützung vom Bundesamt für Gesundheit und ihres Teams. Eine Nachricht liegt ihr besonders am Herzen: «Bleibt gesund, gebt aufeinander acht und ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft.»

Joëlle Virginie Maillart, 20.03.2020