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Die Schweizer sind Kaffee-Junkies

Ob Café au lait, Café crème oder Eiskaffee. Die Schweizer lieben ihn. Die Statistik vom 2018 zeigt, dass wir erneut an der Weltspitze mittrinken. Pro Person durchschnittlich 975 Tassen im Jahr.

Der morgendliche Kaffee, um die Augen öffnen zu können, der Kaffee-Klatsch in der Pause, oder der kleine Espresso nach dem Essen, um nicht in ein Food-Koma zu fallen. Kaffee ist und bleibt in der Schweiz eines der beliebtesten Getränke. «Die Schweiz hat eine eigene Kaffeekultur. Zudem ist er ein wichtiger Umsatzträger in der Gastronomie», sagt CafetierSuisse Präsident, Hans-Peter Oettli. «Kaffeemaschinen kommen fast alle aus der Schweiz, wir haben sehr gute Röstereien und der Kaffeehandel wird mehrheitlich über die Schweiz abgehandelt. Das trägt zu unserer hohen Kaffeekultur bei», meint Herr Oettli. Ein Tässchen Wachmacher ist im letzten Jahr um drei Rappen günstiger geworden. St. Galler geniessen ihren Kaffee für durchschnittlich 3.18 Franken. In den nächsten 30 Jahren wird eine Verdopplung des Kaffeekonsums erwartet. Ob dann der Preis noch so tief bleibt, wird sich zeigen.


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Mystisches Luxusprodukt

Der erwartete Anstieg kommt vom vermehrten Konsum in asiatischen Ländern. Mehr Kaffeetrinker, heisst mehr benötigter Kaffeeanbau. Der Klimawandel könnte dem ganzen einen Strich durch die Rechnung machen. «Aufgrund des Klimas, sind die Anbaugebiete nicht mehr im gleichen klimatischen Zustand, was dazu führt, dass Schädlinge und Kaffeeblattrost auftauchen und Anbaugebiete aussterben», meint Hans-Peter Oettli. «Das kann zur Folge haben, dass Kaffee eines Tages ein Luxusprodukt wird», sagt der CafetierSuisse Präsident. «Guten Kaffee hat seinen Preis und der wird bestimmt auch teurer» meint auch Roger Bähler, Geschäftsführer der Turm Handels AG in St. Gallen. Eines ist bereits jetzt klar: Herr und Frau Schweizer lieben ihn zu trinken, dabei zu philosophieren und sich zu fragen, ob ihr Kaffeekonsum gesund ist. Dabei entstehen viele Mythen. Schenkt man ihnen Glauben, wären wir nicht mehr an der Weltspitze der Kaffeetrinker.

Der Wachmacher und seine Mythen

Selten gibt es um ein Nahrungsmittel so viele Mythen wie um den Kaffee. Der wohl grösste Vorwurf ist, dass er dem Körper Wasser entzieht. Richtig oder falsch?

Entwässert den Körper
Falsch. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und vielen Studien, trägt Kaffee zur täglichen Wasseraufnahme bei. Er wirkt kurzzeitig harntreibend, weil das Koffein die Nieren anregt. Das kleine Wasserglas, welches man oft zum Kaffee dazu bekommt, ist für die Geschmacksknospen gedacht. Es neutralisiert und so kann die ganze Fülle der Kaffeebohne zu schmecken sein.

Wachmacher
Richtig. Eine Studie von Forschern aus Bristol, London, Würzburg und Münster zeigt, dass das Koffein an das Müdigkeits-Molekül namens Adenosin andockt und es blockiert. Jedoch nur bei unregelmässigem Kaffeegenuss. Bei häufigem und regelmässigem Kaffee schlürfen kann er wegen dem «Entzug» Ermüdungserscheinungen mit sich bringen.

Katerstimmung ade
Jein. Statt zu helfen könne er das Herzrasen beschleunigen. Wissenschaftler des Universitätsklinikum Freiburg haben jedoch in einer Studie nachgewiesen, dass ein starker Kaffee mit Zitrone das Schmerzempfinden dämpft. Dem Brummschädel wäre damit geholfen, jedoch ist die Frage, ob man seinem Magen die Kombination zutraut. Die beste Lösung gegen einen Kater ist nach wie vor: weniger saufen.

Kaffee-Flecken sind hartnäckig
Richtig. Aufgepasst, wer mit weisser Bluse Kaffee trinkt und dabei kleckert. Wenn das Malheur noch frisch ist, am besten kohlensäurehaltiges Wasser und Geschirrspülmittel auf die Stelle tupfen. Bei angetrocknetem Kaffee-Fleck helfen dagegen nur noch Gallenseife oder Glycerin.

Kaffee trinken gegen Haarverlust
Ja, aber nicht realistisch. Koffein wirkt anregend auf die Haarzelle, jedoch müsste man(n) 60 bis 80 Tassen pro Tag trinken, um den Geheimratsecken vorzubeugen. Besser wirken äusserlich angewandte Koffein-Produkte.

Schlank dank Kaffee
Nein. Wissenschaftler des Kompetenznetzwerks Adipositas zeigen in einer Studie, dass Kaffee tatsächlich den Stoffwechsel anregt und somit helfen kann das Körpergewicht zu senken und zu halten. ABER: Auf dem Sofa sitzen, ungesund essen und dabei Kaffee trinken reicht nicht. Bewegen und aktiv etwas dagegen tun, müsse man dennoch. Sorry Couchpotatos.

Kaffee der Scharfmacher
Die heisse Tasse fördert nur den Kontakt, aber aus wissenschaftlicher Sicht hat der Kaffee keinen Einfluss auf die Libido. Somit, liebe Leute, braucht es doch etwas mehr Mühe um den Partner in Wallung zu bringen.

Joëlle Virginie Maillart, 02.12.2019