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Die Katze freut’s

Die Schulen in St. Gallen sind seit gut zwei Wochen geschlossen. Shannon und Thiago müssen trotzdem Hausaufgaben machen. Sie finden das eigentlich ganz cool.

«Am Morgen stehe ich auf, male ein bisschen und löse Hausaufgaben. Nach dem Frühstück mache ich nochmals ein paar Sachen für die Schule. Am Nachmittag habe ich frei und kann jetzt unsere Katze mehr streicheln», erzählt die Drittklässlerin. Für die Mutter der 9-jährigen Shannon ist die Situation nicht immer ganz einfach zu meistern, da sie selbst drei Vormittage arbeitet. In dieser Zeit konnte die Schülerin bis kürzlich zu einer Freundin gehen, jedoch geht das jetzt auch nicht mehr. «Meine Firma hat Kurzarbeit eingeführt, somit bin ich jetzt zu Hause und habe Zeit für Shannon», so die Alleinerziehende.


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Digitaler Unterricht

Denise, Mutter von Thiago (8), ist zur Zeit noch im Mutterschaftsurlaub und findet es schön, ihre drei Jungs intensiv um sich zu haben. Trotzdem sei es auch streng, da jeder eine andere Unterstützung und Aufmerksamkeit benötige. Für Hausaufgaben und Übungen hat die Schule eine Webseite erstellt. So haben die Schüler jeweils zwei bis drei Tage im Voraus etwas zu tun. Mittels Notiz sehen die Lehrer, wie lange die Kinder für gewisse Übungen gebraucht haben. Thiago ist froh, dass er etwas für die Schule machen kann. «Es ist cool zu Hause zu sein, aber ich finde es gut, dass wir Hausaufgaben bekommen haben, weil mir sonst langweilig werden würde.» Trotzdem vermisse er die Schule ein bisschen. Für Denise sei es spannend zu sehen, wie verantwortungsbewusst die Kinder bereits seien.

Haushalten als neues Hobby

Für Shannon gibt es kein Chearleader-Training mehr und für den Zweitklässler kein Fussball mit Kollegen. Umso mehr spielt Thiago mit seinem jüngeren Bruder, Mattia (6). Der findet es uncool, dass er nicht mehr auf den Spielplatz gehen darf. «Ich zeichne mehr und wir dürfen ein bisschen mehr Fernseher schauen», was der Kindergärtler ganz toll findet. Auch Shannon darf mehr Gamen und Filme schauen. Trotzdem bleibt viel Zeit um den Müttern mit dem Haushalt zu helfen. «Ich putze manchmal das Badezimmer und räume den Tisch nach dem Essen ab», zählt Shannon ihre Aufgaben im Haushalt auf. Die Jungs räumen die Abwaschmaschine aus, decken den Tisch und wischen den Boden. Damit sie fit bleiben trainieren sie manchmal mit der Mama im Garten. Übungen für den Bauch und die Beine und Fussball für die Ausdauer. Shannon hingegen bastelt wieder etwas mehr.


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Wünscht euch was

Die Kinder sind jung, aber alle drei wissen genau, was das Coronavirus ist und was es für ältere Menschen für Folgen haben könnte. Ihre Grosseltern sehen sie deshalb zur Zeit nur via Videochat. Nach dem Spaziergang werden die Hände 20 Sekunden gewaschen und desinfiziert. Shannon hofft, dass sie trotz allem in den Sommerferien mit ihrem Papa in die Südtürkei fliegen kann. Mattia wünscht sich ein baldiges Wiedersehen mit seinen Kindergartengspändli und Thiago: «Ich wünsche mir, dass meine Grosseltern und Mama, Papa gesund bleiben.»

Joëlle Virginie Maillart, 26.03.2020