Bildquelle: Tagblatt/Michel Canonica
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Cupkracher FC St.Gallen gegen YB

Wenn heute Abend, am 8. April, der FC St.Gallen im Kybunpark auf die Young Boys aus Bern treffen, spricht nicht vieles für einen Sieg der Espen. Die Bilanz der Ostschweizer gegen den amtierenden Double Gewinner ist ernüchternd. Vor knapp zwei Jahren gewannen die Espen letztmals gegen die Young Boys, damals auf heimischem Rasen mit 4:1. 

Der Gegner der Espen, die Berner Young Boys haben in der laufenden Saison gezeigt, dass sie immer noch die stärkste Mannschaft der Schweiz sind. In den letzten Meisterschaftsspielen hat sich jedoch angedeutet, dass auch sie verwundbar sind. So spielten sie in den letzten sechs Spielen gleich vier Mal Unentschieden, unter anderem auch gegen den Aufsteiger aus Vaduz. Zudem flogen sie gegen Ajax Amsterdam aus der Europa League. Die Berner sind als amtierender Meister und Cupsieger klarer Favorit. Doch jeder Fussballfan weiss, der Cup schreibt seine eigenen Gesetze und das Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiedsrichter abpfeift.

Mit dem Cupsieg nach Europa

Im Cup bekamen die Jungs von Trainer Peter Zeidler in den ersten beiden Runden Freilose und müssen erst im Achtelfinale in die Kampagne einsteigen. Nicht nur die bestklassierten der Meisterschaft qualifizieren sich für die europäischen Wettbewerbe. Auch der Cupsieger darf in die Qualifikationsrunde zur neu geschaffenen Uefa Europa Conference League. Somit gilt, wenn es via Meisterschaft nicht nach Europa geht, dann eben durch die zweite Möglichkeit Cup. Für die Espen spricht, dass in diesem Wettbewerb alles passieren kann und es sich hier um ein Spiel handelt, bei dem es kein Unentschieden gibt. Ein Gewinner wird ermittelt, egal ob nach 90 Minuten, in der Verlängerung oder aber auch erst nach Elfmeterschiessen.

Nach den schmerzhaften Abgängen kam das Tief

Die Euphorie war gross als der FCSG in der letzten Saison mit einer jungen Mannschaft die Meisterschaft aufmischte und bis kurz vor dem Saisonende vom grossen Coup, dem Meistertitel, träumen durfte. Umso grösser war die Enttäuschung als dies nicht gelang und mit Cedric Itten und Ermedin Demirovic zwei Leistungsträger den Verein verliessen. Es wurden zwar neue Spieler geholt, doch die Lücke konnte nie ganz geschlossen werden. Es gab zwar auch gute Spiele und Lichtblicke, doch der Blick auf die Tabelle dürfte schmerzen. Der Rückstand auf die europäischen Plätze ist mit vier Punkten zwar klein, der Vorsprung auf den Barrageplatz beträgt jedoch auch nur vier Punkte. Vielleicht können die St. Galler mit einem Sieg im Cup gegen den Meister neuen Schwung aufbauen und in der Meisterschaft nochmals in den Kampf um Platz 2 eingreifen.

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Das neue Hassduell

In den letzten beiden Spielzeiten hat sich das Duell zwischen den Ostschweizern und den Bernern zum neuen Hassduell der Super League entwickelt. Die Partien waren stets sehr spektakulär und geprägt von vielen Zweikämpfen. Die Augen werden wohl auch auf den St.Galler Torhüter Lawrence Ati Zigi gerichtet sein. Der Mann aus Ghana war es, der bereits zum zweiten Mal bei einem Berner Penalty die Linie zu früh und um wenige Zentimeter verlassen hatte, sodass der Penalty wiederholt wurde. Umso bitterer war bei beiden Spielen, dass er den ersten Versuch hielt und beim wiederholten Penalty jeweils chancenlos war. Auch wenn die Emotionen nicht im leeren Stadion, sondern in den Wohnzimmern ausbrechen werden, dürfte es ein hitziges und emotionales Spiel werden.

Sven Stadelmann, 08.04.2021